»Die Welt passt nicht in ein Smartphone-Display«

Kürzlich waren die Teilnehmer des Fjällräven Polar in Nordskandinaiven unterwegs. Die Schlittenhundetour ging über 300 Kilometer vom Signaldalen an der norwegischen Atlantikküste bis nach Jukkasjärvi in Schwedisch-Lappland. Für die diesjährige Veranstaltung hatten sich rund 1100 Interessenten beworben und im Internet um Stimmen gekämpft. 20 von ihnen waren dann auf Tour.

Thomas Gröger, der Vertriebschef von Fjällräven in Deutschland und Österreich, hat selbst schon an der einzigartigen Tour teilgenommen. Seine Erfahrungen schildert er im NORDIS-Interview.

Was macht den Reiz aus, im nordischen Winter, bei Sonne und Schnee, Windstille und Sturm, tagelang draußen unterwegs zu sein?

 Ob nun in den heimischen Bergen oder im nordischen Winter – draußen sein heißt für mich abzuschalten, mal nicht erreichbar zu sein und Abstand von der schnelllebigen Welt zu gewinnen. In Zeiten von Globalisierung und ständig wachsender Vernetzung tut es manchmal ganz gut, in der Weite und Einsamkeit der Natur festzustellen, wie klein wir Menschen sind und dass die große, weite Welt eben doch nicht in ein kleines Smartphone-Display passt. Beim Fjällräven Polar ist man der Natur ausgesetzt und daher mit völlig anderen Dingen beschäftigt als im täglichen Job. Man erlebt hier, was Einsamkeit wirklich bedeutet, wenn man tagelang keine fremden Lichter zu sehen bekommt. Gleichzeitig macht einen nichts so lebendig wie die klirrende Kälte im Gesicht, wenn man auf dem Schlitten durch eine schier endlose Ebene fährt. Das ist ein krasser Kontrast zum Alltag und ein für mich persönlich auch ein unbeschreibliches Freiheitsgefühl.

Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Als ehemaliger Leistungssportler war und ist regelmäßiger Sport Teil meines Lebens. Um am Fjällräven Polar teilzunehmen, muss man aber weder Profi noch sportverrückt sein. Mit einer guten Grundfitness und Basiswissen über das Überleben in der Natur ist man gut gerüstet für das Abenteuer Fjällräven Polar. Wer jedoch erwartet, dass er sich vier Tage lang gemütlich auf einen Schlitten stellt und von den Hunden durch die arktische Natur gezogen wird, liegt falsch. Hundeschlittenfahren ist anstrengend und kostet Kraft – da ist man froh, wenn am Abend die Hunde versorgt sind und man endlich in den Schlafsack kriechen darf.

Was war das schönste Erlebnis der Tour?

Der gesamte Fjällräven Polar ist ein einzigartiges Abenteuer mit unglaublich vielen Eindrücken, von dem man sicherlich sein Leben lang berichten kann. Was mich persönlich am meisten beeindruckt hat, ist die unglaubliche Weite der Natur, das Schlafen unter freiem Himmel mit ungehindertem Blick auf die Sterne und natürlich die faszinierenden Polarlichter. Aber auch der enge Kontakt mit den Tieren – also den Schlittenhunden – ist ein wirklich besonderes Erlebnis.

Und was der kritischste Moment?

Das Event ist so gut organisiert, dass es zwar eine Herausforderung ist, die Gefahr dabei aber minimal ist. Ein gewisses Restrisiko bleibt natürlich, aber das sorgt ja auch für Spannung. Der kritischste Punkt ist sicherlich das Zusammenspiel mit den Tieren. Auf den Tagen in der Arktis sind die Hunde deine engsten Begleiter und entsprechend wichtig ist es, auch gut mit ihnen zusammenzuarbeiten. Das erfordert insbesondere beim Start, wenn die Hunde mit ihrem unglaublichen Bewegungsdrang am Schlitten zerren und losrennen möchten, ein hohes Einfühlungsvermögen. Um nicht gleich vom Schlitten gefegt zu werden, muss man sich gut festhalten und versuchen, die Hunde einzubremsen. Während der ganzen Zeit gilt auch eine goldene Regel: Niemals die Hand vom Schlitten nehmen! Denn das Schlimmste, was einem draußen in der Einsamkeit der Arktis passieren kann ist, dass das eigene Gespann plötzlich ohne einen davonfährt.

Welche Ausrüstung ist bei solchen Wintertouren empfehlenswert?

Gute und vor allem vielseitige Bekleidung ist bei arktischen Witterungsbedingungen das »A und O«. Die Anforderungen variieren dabei allerdings je nach Tageszeit und Aktivität, weshalb es wichtig ist, entsprechende Wechselklamotten dabei zu haben und das Zwiebel- bzw. Mehrschichten-Prinzip optimal zu nutzen. Tagsüber und bei anspruchsvollem Gelände ist Hundeschlittenfahren körperlich extrem anstrengend und bringt einen ordentlich ins Schwitzen. Deshalb sollte man hier auf besonders atmungsaktive Bekleidung achten, die Feuchtigkeit gut vom Körper abtransportiert und trocken hält. Auf der Strecke des Fjällräven Polars begegnen einem aber auch immer wieder lange Passagen über zugefrorene Seen oder weite Ebenen, bei denen man still auf dem Schlitten steht und der kalte, eisige Wind einem ins Gesicht weht. Hier ist optimale Isolierung und Schutz vor Wind wichtig. Eine warme, dick gefütterte Daunenjacke schützt hier den Körper vor Auskühlung, während eine Mütze und darüber eine tiefe Kapuze mit Kunstfellbesatz das Gesicht vor dem eisigen Wind bewahrt. Gegen Schnee – ob nun von oben oder aufgewirbelt vom Wind oder den Hunden – ist eine Ski- bzw. Schneebrille unerlässlich. Während der Campzeit und in der Nacht muss sich der Körper regenerieren können und ist darauf angewiesen, dass die Bekleidung entsprechend gut isoliert. An die Hände gehört ein Paar dicker, warmer und komfortabler Handschuhe. Solange man draußen in der Kälte ist, gilt: Niemals die Handschuhe ausziehen! Ebenso wichtig sind natürlich auch ein gutes Zelt, ein dicker Daunenschlafsack, ein Campingkocher, eine Thermoskanne und manches mehr.

Worauf muss man achten, wenn man mehrere Tage bei Temperaturen unter Null in der Natur unterwegs ist?

Wie zuvor schon erwähnt ist die richtige Bekleidung inklusive Handschuhe und Mütze sowie entsprechende Wechselklamotte sehr wichtig. Auch ein warmer, weiter Schlafsack der genügend Platz für die Kleidungstücke bietet, die man am nächsten Tag anziehen möchte, sollte im Gepäck sein. Fernab der Zivilisation sind ausreichende Energievorräte – also Benzin, Gas bzw. spezielles Wintergas – für den Campingkocher überlebenswichtig. Ausreichend Energievorräte mitzunehmen heißt, auch genügend Nahrung für sich und die Hunde einzukalkulieren. Die Luft in der Kälte ist besonders trocken und man verliert durch die Anstrengungen über den Tag auch viel Flüssigkeit. Trinken ist daher sehr wichtig und muss auch etwas vorausschauend geplant sein, schließlich begegnet einem auf der Strecke kein Wasserhahn. Jegliches Wasser muss vorher geschmolzen und in Thermoskannen abgefüllt werden – die Herausforderung ist dabei, nicht zu viel mit sich zu schleppen und trotzdem immer ausreichend Flüssigkeit griffbereit zu haben.

Warum veranstaltet Fjällräven ein solches »Rennen«?

Der Fjällräven Polar ist kein Rennen und wir möchten uns von solchen Veranstaltungen auch bewusst distanzieren, da sie meist zu Lasten der Tiere gehen. Mit unserem Outdoor-Event Fjällräven Polar möchten wir »gewöhnlichen« Menschen mit »gewöhnlichen« Berufen die Faszination von winterlichen Outdoor-Touren näher bringen und beweisen, dass sich im Prinzip jeder auf unvergessliche Abenteuer in unberührter Winternatur einlassen kann, solange er die richtige Ausrüstung und das erforderliche Wissen hat. Das Erlebnis und das Abenteuer selbst stehen dabei im Vordergrund. Zudem nutzen wir natürlich diese Gelegenheit, um unsere Produkte immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Die Zeit, die man für die Strecke benötigt, ist bei der gesamten Veranstaltung unerheblich – und das ist auch gut so, denn so kann man dieses einzigartige Erlebnis auch in vollen Zügen genießen.

Welche drei Tipps kannst du zukünftigen Bewerbern geben?

Um sich für die Teilnahme am Fjällräven Polar zu bewerben, muss man lediglich ein kurzes Video oder Foto und ein Motivationsschreiben hochladen, aus dem hervorgeht, warum man selbst unbedingt an dem Event teilnehmen möchte. Einmal online gestellt wird auf der Website abgestimmt und es geht darum, so viele Stimmen wie möglich zu ergattern. »The early bird catches the worm« heißt es so schön und das gilt auch für den Bewerbungsprozess. Je früher die eigene Bewerbung online ist, desto mehr Zeit hat man Stimmen zu sammeln. Hilfreich sind Kreativität, Humor, Begeisterungsfähigkeit und Individualität. Für das Event selbst sollte man Kälte mögen, tierfreundlich sein und damit umgehen können, dass während der vier Tage keine warme Dusche auf einen wartet.

Alle Fotos: Fjällräven

Dabei sein ...

 Den Fjällräven Polar kann man auf Website, Facebook-Page und  YouTube-Channel verfolgen. Mehr Informationen und hilfreiche Tipps zum Bewerbungsprozess gibt es auch auf der Webseite:
www.fjallraven.de/polar/bewerbung