Selárdalur
vom Künstler mit dem Kinderherzen

Marco Asbach, Herausgeber und Autor des Island-Magazins "Zauber des Nordens" ist gerne abseits der üblichen Touristenrouten unterwegs. In Seladálur, einem kleinen Ort an den Westfjorden, ist er auf den Spuren des Bauern und selbsternannten Künstlers Samúel Jónsson gewandert.

Text & Bild: Marco Asbach


Der Ort Selárdalur liegt sehr abgeschieden im Arnarfjörður (dt. Adlerfjord) in den Westfjorden abseits der üblichen Touristenrouten. Um nach Selárdalur zu gelangen, fährt man über die Straße 619, die in Bíldudalur wiederum von der Straße 63 abzweigt. Die Straße 63 erreicht man von einer der Hauptrouten der Westfjorde, der Straße 60, die nach Ísafjörður führt.

Die Straße 619 ist eine steinige, zum Teil in schlechten Zustand befindliche Piste, die nicht mit einem normalen PKW befahren werden sollte. Von Bíldudalur benötigt man für die 25 km lange Piste ungefähr 45 Minuten, wenn man nicht immer wieder anhält, um die auf der Strecke befindlichen, zahlreichen Motive auf Foto und Film festzuhalten.

Darum sollte man sich Zeit für die Strecke lassen

Denn entlang der Piste finden sich -für die Westfjorde typisch- einige verlassene Höfe, malerische helle Sandstrände und schroffe Berghänge, die einen immer wieder zum Halten „zwingen“, um diese auf Fotos zu bannen.

In Selárdalur selbst erwartet einen eine unwirkliche Kulisse. Gebildet wird diese durch die Gebäude und Skulpturen von Samúel Jónsson, einem Bauer und selbsternannten Künstler, der von 1884 – 1969 lebte. Das Tal von Selárdalur ist heute bis auf einige Sommerhäuser unbewohnt. Der letzte dauerhafte Bewohner verstarb 2010.

Die Skulpturen erinnern an naive Kunst

Samúel Jónsson lebte auf dem Hof Brautarholt und erstellte Plastiken, die an naive Kunst wie z.B. an den Löwenbrunnen der Alhambra erinnern und wurde daher auch der „Künstler mit dem Kinderherzen“ genannt. Die Plastiken, das dazugehörige Haus und die ebenfalls von ihm gebaute Kirche wurden ab 1998 von freiwilligen Helfern unter der Leitung des deutschen Bildhauers Gerhard König renoviert.

Ein weiteres Haus konnte zwischenzeitlich gerettet werden, nachdem es wegen Einsturzgefahr abgebaut worden war. In der Regel wird man an diesem Ort alleine oder nur mit sehr wenig anderen Touristen sein. So hat man das Privileg, diese unwirkliche Ruhe für sich geniessen zu dürfen.

Unterbrochen wird diese Ruhe nur vom Wind oder vom fernen Kreischen der Kría, die an der Küste umherfliegen. Trotz der Lage abseits der Zivilisation gibt es in Selárdalur ein sehr gepflegtes Toilettenhäuschen mit Spüle.

 

 

 

Dieser Artikel ist im Original auf www.zauber-des-nordens.de erschienen. 

Reiseinfo

Nach Rückkehr aus Selárdalur kommt man wieder durch das Städtchen Bíldudalur. Hier lohnt sich ein Abstecher ins Fast Food Restaurant Vegamót, wo man für isländische Verhältnisse günstig, aber vor allem gut essen kann (Tjarnarbraut 2, Tel.: +354 456 2232).

Und wenn man schon einmal da ist, kann man auch das Skrímslasetur besuchen, das „Icelandic Sea Monster Museum“. Hier kann man sich interaktiv über diverse Seemonster und Seejungfrauen rund um Island informieren. Geöffnet ist das Museum täglich vom 15. Mai bis 15. September. Zu finden ist das Museum in der Dalbraut, ganz in der Nähe der Kirche (Tel.: +354 456 6666).