Juletid

Wenn die Schweden in Weihnachtsstimmung kommen

TEXT: Andrea Ullius,  BILD: imagebank.sweden.se

Weihnachten ist das Fest der Liebe, und irgendwie muss man da rechtzeitig in Stimmung kommen. In Schweden ist es spätestens am 13. Dezember soweit. Dann wird das Luciafest gefeiert und die Herzen gehen auf: Kerzenschein, Lucialieder und Lussekatter. Und an Weihnachten wird dann das Julbord aufgetragen, so dass sich die Tische biegen.

Das Luciafest hat zwar einen religiösen Hintergrund, es gibt jedoch keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob an diesem Fest der Heiligen Lucia gehuldigt werden soll. Das stört die Schweden jedoch kaum, den die Feier zählt und nicht die Spekulation über die Herkunft.

Das Luciafest ist der Höhepunkt im Advent

Ende des 19. Jahrhunderts griff das Freilichtmuseum Skansen in Stockholm die Tradition des Luciafestes auf, um sie für die Nachfahren zu bewahren. Als 1927 eine Stockholmer Zeitung zum ersten Mal eine Lucia wählte, war der Bann gebrochen. Der Einzug von Lucia in alle Haushalte war nicht mehr aufzuhalten.

Heute ist das Luciafest der Höhepunkt der Adventszeit und aus dem Kalender Schwedens nicht mehr wegzudenken. Die wichtigsten Elemente sind das Tragen von weissen Kleidern, das Singen von Lucialiedern, das Essen von Lussekatter (Safrangebäck) und die Wahl einer örtlichen Lucia.

Jedes schwedische Mädchen träumt davon, einmal im Leben eine Lucia zu sein. In der Regel ist die älteste Tochter in einer Familie die Lucia. Sie kleidet sich wunderbar in Weiss, bindet ein rotes Samtband im die Taille und das Haupt schmückt ein Kranz aus Preiselbeerzweigen mit Kerzen.

Die Lucia ist eine Frühaufsteherin

Die Vorbereitungen auf das Luciafest beginnen schon in den frühen Morgenstunden. Die Lussebrud (Lucia) wird in ein langes weisses Kleid gesteckt und wie erwähnt ausstaffiert. Gewisse Sicherheitsbedenken und mutmassliche Zwischenfälle haben dazu geführt, dass die Krone oft nicht mehr aus flackernden echten Kerzen besteht, sondern modern in der Variante LED leuchtet.

Anschliessend spaziert man zu Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Firmen und singt dort die wunderbaren Lucialieder. Die Mädchen (tärnor) sind ebenfalls in weisse Kleider gehüllt und halten Kerzen in der Hand. Die Jungs müssen für einmal hinten anstehen. Sie gehen als Sternenknaben (stjärngossar), Pfefferkuchenmännchen (pepparkaksgubbar) oder Wichtel (tomtar) mit der Prozession mit.

Zum Dank gibt's Lussekatter

Wenn dann schön gesungen wird, gibt es auch eine Belohnung in Form von Lussekatter, Peparkakor und Glögg, für die Kinder natürlich ohne Alkohol. In vielen Orten finden abends wunderschöne Luciafeiern in Kirchen oder schönen Sälen statt. Auch hier steht die Lucia im Mittelpunkt. Die Krönung der offiziellen schwedischen Lucia findet jedes Jahr in Stockholm auf Skansen statt.

Ist das Luciafest vorbei, dann freuen sich alle auf Weihnachten und überlegen, was sie ihren Liebsten schenken sollen. Jetzt ist auch höchste Zeit, sich Gedanken über das Juldbord zu machen. Weihnachten mach hungrig und wenn die ganze Familie beisammen sitzt, dann will man nur noch genießen.

Die Zubereitung des Julbords braucht viel Zeit

Um es vorweg zu nehmen. Die Zubereitung eines Julbords ist aufwändig, wenn man alles selber machen will. Das Julbord hat aber einen großen Vorteil: vieles kann man vorbereiten, so dass beim Essen niemand vorwiegend in der Küche stehen muss. Und meist reichen die Vorräte locker bis Silvester.

Im Grunde ist ein Julbord ein aufgepimtes Smörgåsbord. Zur Weihnachtszeit wird es mit weiteren, typischen Gerichten, z.b. dem Weihnachtsschinken (Julskinka) aufgepeppt. Das Julbord wird auf einer Anrichte im Esszimmer oder in der Küche aufgebaut, und jeder bedient sich selber vom Buffet. Und eine Bitte an alle Nichtschweden: Die Teller werden nicht vollgeladen, sondern man holt sich immer kleine frische Portionen. Das Julbord ist also keine Buffetschlacht, sondern ein gemütliches Beisammensein, das sich gerne über Stunden hinziehen kann. Hamstern am Büffet wird in Schweden nicht geschätzt.

 Nun geht es also los mit der Feier. Am besten startet man mit einem Glögg, dem schwedischen Glühwein mit Mandeln und Rosinen. Dazu gibt es ein paar knusprige Pepparkakor. 

Ein Julbord muss man sich gut einteilen

In der Regel gibt es drei „Gänge“ bei einem Julbord. Man startet mit dem kalten Buffet. Dominant sind die diversen Sorten eingelegten Hering (Sill). Oft gibt es auch Lachs in unterschiedlichen Variationen, wobei sich die Schweden nicht einig sind, ob Lachs dazu gehört oder nicht. Wenn er dabei ist, dann braucht es auch Dill-Senf-Sauce, Meerrettich-Sauce oder Hovmästarsauce (Graved-Lachs-Sauce). Ergänzt wird die Fisch-Bescherung mit Krabben zum Schälen oder Krabbensalat. Was nie fehlen darf ist Leberpastete (Leverpastej) und diverser Wurstaufschnitt, Eier und weitere Ergänzungen nach Lust und Laune. Elch und Rentier sind in unterschiedlicher Form auch oft zu finden.

Ist das kalte Buffet ausgiebig ausprobiert worden, dann wechselt man zu den warmen Speisen. Hier sind natürlich Köttbullar ein Muss, ebenso die Prinskorv, kleine geräucherte Würstchen. Himmlisch ist auch die Janssons frestelse, ein Kartoffelgratin mit Anchovis. Und dann darf der Julskinka (Schinken) mit süssem Senf auf keinen Fall fehlen.

Zu guter Letzt, wenn der Bauch schon prall und die Stimmung toll ist, gibt es noch den Nachtisch. Dieser kann aus Rismalmata (kalter Milchreis) mit Sahne, Vanillezucker und Apfelstückchen bestehen. Oft sieht man auch Lussekatter, Plätzchen, Kuchen oder auch Käse auf dem Tisch.

Durst kommt sicher auch auf. Speziell an den Festtagen gibt es Julmust. In der Abteilung Alkohol ist das süsse, dunkle Julöl (Weihnachtsbier) Trumpf. Zum Fisch trinkt man gerne Aquavit oder einen trockenen Weisswein. Zum Fleisch darf es auch ein Gläschen Rotwein sein. Abgerundet wird die Sause mit Kaffee und einem Schnäpschen (Kaffe avec).

Quellen: Wikipedia, Brauchwiki, elchburger.de