Schönheit im Detail - Ferienhausurlaub in Schweden

Nicht viel auf der Straße sein, sondern die Umgebung von einem festen Domizil aus entdecken. Das kann ein probates Mittel sein, um die Vielfalt Südschwedens zu entdecken.

Einmal nicht von Highlight zu Highlight fahren. Vielmehr eine Gegend mit all ihren Details entdecken. Genau dies ist das Ziel dieses Ferienhausurlaubs. Der Gang führt daher zuerst einmal in die Touristeninformation von Hässleholm. Der Ort ist in ganz Schweden berühmt – als Eisenbahnknotenpunkt. Nicht umsonst kann man hier T-Shirts mit dem Aufdruck »Hässleholm nästa« kaufen, was man mit »Nächster Halt Hässleholm« übersetzen kann. Gut beraten und mit einem ganzen Packen an Broschüren verlassen wir die Touristeninformation. Suchen uns in der Fußgängerzone ein kleines Restaurant, können angesichts des Sonnenscheins sogar draußen sitzen, blättern durch die Prospekte. Zwei Sehenswürdigkeiten wollen wir heute noch besuchen.

Fledermäuse und Muffins

Die Erste führt uns in den Untergrund. Nur ein paar Kilometer vom Zentrum von Hässleholm entfernt liegt die Tykarpsgrottan. »Ein Gewirr von Gängen, das von Menschen geschaffen worden ist«, erzählt Guide Rickard, als wir hinter ihm eine Treppe hinuntersteigen und durch eine Tür unter der Erde entschwinden. »Hier hat man seit Mitte des 18. Jahrhunderts bis 1880 Kalkstein abgebaut«, erzählt Rickard und schaltet seine Lampe an, leuchtet in Richtung einer Fledermaus, die sich hoch oben an der Decke in einer Ritze verkrochen hat. Wir folgen dem Guide durch enge Gänge und weite Hallen, in denen Säulen die Decke stützen. Dieses unterirdische Labyrinth nimmt eine Fläche von rund 10.000 Quadratmetern ein. Allein diese nackte Zahl zeigt, wie viel Arbeit die Bauern aus der Umgebung hier hatten. Denn sie waren es, denen dieser unterirdische Steinbruch gehörte. Die Männer schlugen die Steinblöcke aus dem Fels, die Frauen mussten sie an die Oberfläche bringen. »Es war eine Winterarbeit«, erzählt der Schwede, »mit der zusätzliches Einkommen erwirtschaftet werden konnte.« Heute wird die Höhle – die eigentlich eine Mine ist – für Partys, Hochzeiten und Taufen, aber im Dezember auch für einen Weihnachtsmarkt genutzt. Bei einer über das Jahr hin gleichmäßigen Temperatur von acht Grad kann man sich hier aufwärmen, während der Wind über Skåne weht. Die Tykarpsgrotte war sogar schon Kulisse für mehrere Filme. »Hier wurden einige Szenen von Ronja Räubertochter gedreht«. ergänzt Rickard. Als wir wieder an die Oberfläche kommen, scheint uns die Sonne ins Gesicht. Jenny von der Touristeninformation hatte uns das Schloss Hovdala und vor allem das dortige Café empfohlen. Nur wenige Kilometer sind es bis zu dem stattlichen Gemäuer, das mit seinen Mauern aus gewaltigen Felsblöcken und dem weißen Verputz aus einer gepflegten grünen Grasfläche herausragt. Eine friedliche Idylle. So friedlich war es jedoch nicht immer. Schließlich liegt Hovdala in einer Region, um die sich Dänen und Schweden einst gestritten haben. Es ging zu wie beim Tauziehen. Skåne gehörte zu Dänemark, Mal verlief die Grenzlinie zwischen ihnen und den Schweden ein Stück weiter im Norden, mal im Süden. Viele Jahrzehnte hatten die starken Mauern der Anfang des 16. Jahrhunderts errichteten Anlage allen Angriffen widerstanden. Am 7. August 1678 standen die Dänen wieder einmal vor Schloss Hovdala – und brannten das Gebäude nieder. Heute brennen zum Glück nur noch die Kerzen im gemütlichen Café-Restaurant. Wir holen uns einen Kaffee und einen Muffin, dem man seinen Kalorienreichtum schon von Weitem ansehen kann, lassen uns von der Frühsommersonne erwärmen, die vom blauweißen Himmel lacht. Richtiges Schwedenwetter! Hinter dem Schloss erstreckt sich weites Waldgelände mit einigen Wanderwegen. Wir entscheiden uns für die gemütliche Vier-Kilometer-Variante, auf der wir letzten Endes trotzdem zwei Stunden unterwegs sind. Es ist schön, Zeit zu haben – auch, um die Natur zu genießen. Die frischen Buchenblätter, die der Frühling gerade ans Tageslicht gebracht hat, tanzen im leichten Lufthauch, werfen Schattenspiele auf den Boden, wo auf einem umgestürzten Baum Pilze, Moose und Farne neues Leben schaffen. Ein paar Meter weiter gurgelt ein Bach in Richtung eines kleinen Sees, an dessen Ufer sich Schilfgräser im Wind wiegen. Fast hätten wir die Zeit vergessen. Also zurück zum Auto und hinein in den Supermarkt in Bjärnum, dem von unserem Ferienhaus gesehen nächsten größeren Ort. Auf aufwendige Gerichte hat niemand mehr Lust, deshalb landen Spaghetti mit Tomatensoße im Einkaufswagen, dazu Eier und Speck zum Frühstück. Wir haben ja die Freiheit!

Würstchen statt Fisch

Kaffee und Waffeln in der gemütlichen Stube können die Laune nur ein wenig heben. Für heute stehen Angeln und Paddeln ein Stück weiter nördlich in Småland auf dem Plan. Die Internetseite des schwedischen Wetterdienstes SMHI macht Hoffnung. Der Regen soll im Laufe des Tages nach Süden hin abziehen. Doch noch müssen die Scheibenwischer dem nachkommen, wozu sie da sind: Regen wegwischen. Wenn es nur mit dem Himmel genauso gehen würde ...
Gut zwei Stunden später biegen wir in Ramkvilla auf ein kleines Asphaltsträßchen ein, das zu einem Schotterweg wird. Hier am Nordufer des Örken-Sees hat sich Jan einen Traum verwirklicht: ein kleines Abenteuerdorf. Für uns soll es nun jedoch erst einmal aufs Wasser gehen. Unter dem Dach eines kleinen Bootes passen wir beim Ablegen einen Regenschauer ab. Es sollte der Letzte für die kommenden Tage sein! Jan steuert das Boot unter einer Brücke hindurch in den Südteil des Sees. »Bis zu 38 Meter ist das Gewässer tief«, sagt der Schwede in bestem, mit einem netten Akzent angereichertem Deutsch. Er kennt die Stellen, an denen sich die Fische normalerweise tummeln. »Meistens gehen uns hier Hechte und Barsche an den Haken«, sagt Jan und wirft die Angel aus. Erfolglos. Er greift in sein Wunderkästchen mit vielen bunten Kunstködern, zieht einen blau-gelben »Fisch« heraus und knüpft diesen an die Angelschnur. Holt mit der Rute aus. Surrend spult sich die Schnur von der Rolle ab, ein leises Platschen, dann wieder Ruhe. Völlige Ruhe. Auch am Schwimmer. »Sie wollen heute wohl nicht beißen«, sagt Jan und zuckt mit den Schultern. Trotzdem befestigt er noch 2 Angeln an den Seiten des Bootes und setzt auf Trolling, also das Angeln während der Fahrt. Dass wir nachher hinter der »Mangelboden«, wie Jan sein kleines Café auf der Anlage nennt, Würstchen grillen, sagt alles über unsere Bemühungen aus, frischen Fisch auf den Teller zu bekommen. »Am frühen Morgen oder am Abend ist es meist besser«, sagt Jan und fordert uns zum Abschied noch zu einer Runde Fußball-Golf heraus. Das entschädigt dann für die Niederlage an der Rute.

Den Ausflug nach Småland nutzen wir noch für eine weitere Aktivität. Einen Bootsverleih würde man nicht unbedingt auf den Hügeln östlich von Vetlanda vermuten. Doch just hier haben Ronny und Kathy Waumans ihr Aktivitätenzentrum eingerichtet, zu dem auch Kanutouren gehören. Die Antwort auf diesen scheinbaren Widerspruch schlängelt sich ganze zwei Kilometer von ihrem schmucken Hof entfernt durch die Wälder: der Fluss Emån. Zwei Boote sind schon auf dem Anhänger festgezurrt, kurz darauf rumpeln wir auf einem Weg zum Flussufer, lassen bei Ädelfors die Kanadier zu Wasser. Nach ersten Abstimmungsproblemen kommen wir gut voran. Die Umgebung ist so abwechslungsreich, wie man es sich für eine Paddeltour nur wünschen kann. Mal geht es entlang sonniger Wiesen, dann wieder durch Schatten spendenden Wald. Denn inzwischen strahlt die Sonne wieder vom Schäfchenwolken-Himmel. Und das mit aller Kraft! Wie gut, dass es mit der Strömung flussabwärts geht, da kann man die Paddel auch einmal ruhen lassen. Dass man sich dabei auch einmal im Schilfgras verheddern kann – sei's drum. Wir haben ja Zeit und die Tage sind lang. So lang, dass nach der Rückkehr in das Ferienhaus ganz sicher niemand mehr kochen will. Wie gut, dass es in nahezu jedem Städtchen in Schweden nicht nur eine Tankstelle, sondern auch die dazu passende Imbissbude mit einer riesigen Auswahl an Hamburgern mit Pommes oder Püree sowie Würstchen mit Pommes oder Püree gibt ...

Kunst - mal schwarz, mal augenzwinkernd

»Svarta Bergen«: Das klingt auf den ersten Blick alles anderes als einladend. Doch das, was man aus den schwarzen Steinen des Svarta Bergen machen kann, begeistert schlicht und einfach. Der Reichtum der Gegend rund um Osby liegt im Untergrund. Mitten in den Wäldern von Hägghult hat der Mensch eine tiefe Schlucht geklopft, gehackt, gesprengt. Dort, wo einst eine Diabas-Ader durch den Untergrund zog, steht heute meterhoch das Wasser. Ein Kran rostet am Ufer vor sich hin, der zerknautschte Ledersitz zeugt von jahrelanger Arbeit. Überall sind Geröllhalden zu sehen, dazwischen Informationstafeln und ein paar Kunstwerke. Ein skurriler Anblick irgendwo zwischen Bullerbü und Armageddon. Nur Bruce Willis, der in dem Katastrophenfilm über die Weltraum-Bohrtruppe eine der Hauptrollen spielte, fehlt. Überhaupt sind wir die einzigen Besucher auf diesem menschenverlassenen, schwarzen Planeten. So streifen wir umher, sehen uns die Kunstwerke an, die natürlich aus diesem faszinierenden schwarzen Vulkangestein gefertigt wurden. Kunsthandwerker in der Gegend nutzen den Diabas, um daraus elegante Schmuckstücke zu fertigen. Besonders der Kontrast zwischen hell glänzendem Silber und dunklem Stein begeistert bei ihren Kreationen. Kunst ist auch Thema im und um Schloss Wanås. Große Kunst. Und das im wahren Wortsinne. Denn was hier zwischen Kristianstad und Hässleholm geschaffen wurde, ist einzigartig. Schon das Schloss ist ein – allerdings privat genutzter – Prachtbau. Doch der Reichtum, der Kunstreichtum, der steht im weitläufigen Wald um das weißgekalkte Gebäude drum herum. »Wanås – where art is not art but ART«, hat die Künstlerin Yoko Ono einmal gesagt. Verstehen wird diese Aussage, wer den Pfaden folgt. Sich überraschen lässt von riesigen roten Ballons, die in den Bäumen zwischen den Astgabeln klemmen, sich auf überdimensionalen Bänken niederlässt oder seine Wünsche auf einem Zettel niederschreibt und an einen Baum hängt. Kunst kann, muss aber nicht ernst sein, wie man in Wanås schnell feststellen wird. Völlig unbewusst, gar schleichend stellt sich beim Wandeln durch den Wald eine neue Sichtweise auf die Dinge ein. Und das muss nicht immer so offensichtlich sein wie in dem Zimmer, das auf dem Kopf steht. Noch am Abend diskutieren wir beim Grillen auf der Terrasse des Ferienhauses über Wanås, darüber, wie diese Skulpturenausstellung es schafft, den mit wachen Augen über das Gelände laufenden Besucher so für sich einzunehmen. Dass der bisweilen augenzwinkernde Humor dabei eine Rolle spielt, wird uns schnell klar.

Kaffee bei den Hühnern

Einen Teil der Sehenswürdigkeiten aus den Broschüren hatten wir in den vergangenen Tagen entdeckt. Nach der Kunst wollen wir uns am letzten Tag in Südschweden auf die Natur konzentrieren. Nach einem Spaziergang im nahen Wald steht der Elchpark in Ingelbo auf dem Programm. Keine große Sache, einfach nur nett, den Tieren näher zu kommen als jemals zuvor. Und dass der auf wackligen Beinen stehende Nachwuchs der Star im großen Gehege ist, wird beim Blick auf Kulleraugen und zuckende Ohren schnell klar. Der anschließende Besuch im Hofcafé »Vildrosor & Höns« steht wie ein Symbol für diesen Südschwedenurlaub. Die Sehenswürdigkeiten müssen bisweilen entdeckt werden, strahlen dann aber eine einfache Schönheit aus. So wie eben jenes Café, das auf Schotterwegen gefunden werden will und den Besucher mit typisch schwedischer Gemütlichkeit empfängt, mit Krimskram, den die Besitzerin Cecilia auch von umliegenden Bauernhäusern bekommen hat. Versteht sich von selbst, dass der auf Blümchentellern servierte Kuchen hausgemacht ist. So macht Schweden einfach Spaß!

Info

zu Småland: Smålands Turism
Västra Storgatan 18A, S-551 11 Jönköping
Tel. +46-36-35 12 70
info@smalandsturism.se
www.visitsmaland.de

zu Hässleholm: Touristenbüro Hässleholm
Vattugatan 18, S-281 80 Hässleholm
Tel. +46-451-26 73 00
www.hassleholm.se

Anreise

TT-Line fährt von Travemünde und Rostock nach Trelleborg. Die Fahrt kostet für einen Pkw inkl. 5 Personen ab 59 Euro. Infos und Buchungen unter Tel. 04502-801 81 oder www.ttline.com

Übernachten

Ein Ferienhaus ist eine bequeme und günstige Möglichkeit zur Übernachtung. Novasol hat unter anderem in Südschweden eine Vielzahl von Ferienhäusern im Angebot, unter denen man sich das passende Urlaubsdomizil heraussuchen kann. Infos unter www.novasol.de oder unter der Rufnummer 040-688 71 51 82.

Essen & Trinken

Vildrosor & Höns
Cecilia Wennström
Tel. +46-70-996 96 32
Hagstad 120, S-284 92 Perstorp
Tel. +46-435-323 00
www.vildrosorohons.se

Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten

Angeln:
Ramkvilla Outdoor Activity
Jan Evanson, Ramkvilla torp 16, S-574 74 Ramkvilla
info@ramoa.se
Tel. +46-70-575 82 20

Paddeln:
Emventure
Kröken, Emhult 7, S-570 16 Kvillsfors
Tel. +46-383-46 40 22
www.emventure.se

Hovdala Slottet
S-281 92 Hässleholm
Tel. +46-451-183 70
Schöne Anlage in herrlicher Umgebung.

Tykarpsgrottan
Tykarp 7169, S-281 92 Hässleholm
Tel. +46-451-350 87
www.tykarpsgrottan.net
Von Mitte Mai bis Mitte August täglich geöffnet, bis Ende September
dann nur noch am Wochenende. Eintritt Erw. SEK 100, Kinder SEK 50, Familien SEK 250/300.

Diabas-Steinbruch Svarta Bergen
Tranebodavägen 1, Hägghult, S-280 70 Lönsboda
www.svartabergen.se

Schloss Wanås
Wanås Konst / Stiftelsen Wanås Utställningar
Box 67, S-289 21 Knislinge
Tel. +46-44-660 71
www.wanas.se

Eine echte Empfehlung für alle, die zumindest etwas an Kunst interessiert sind.
Ingelbo Moose Park
Hissmossa 3218, S-282 92 Västra Torup
Tel. +460-451-550 18
Von Mai bis September täglich geöffnet, Eintritt Erw. SEK 65, Kinder SEK 30 Familien SEK 150.
www.ingelbomoose.se