Radweg Berlin-Kopenhagen - Von Hauptstadt zu Hauptstadt

TEXT & BILD: Thorsten Brönner  

Von Berlin nach Kopenhagen radeln, wen packt da nicht das Reisefieber? Wer Schildern nach Norden folgt, entdeckt malerische Landschaften - und am Ende wartet noch eine der schönsten Städte Europas.  

Inselhüpfen auf Dänisch - Zielstrebig durchpflügt die »Kronprins Frederik« die aufgewühlte See und tanzt über schäumende Wellen. Am Heck flattert die rot-weiße Flagge Dänemarks im Fahrtwind. Längst liegt das adrette Seebad Warnemünde hinter uns und mit ihm der deutsche Abschnitt des Radwegs Berlin-Kopenhagen. Es sind einmalige Stunden im Fahrradsattel. Seit Tagen sorgt ein ausgedehntes Hoch für Sonne pur. Von der Spreemetropole radelten Monika und ich gen Norden: An Seen entlang, die sich wie stille Oasen im Wald verstecken, in geschichtsträchtige Orte. Jetzt taucht am Horizont die Südspitze Skandinaviens auf - die Insel Falster. Voller Vorfreude auf unser Nachbarland steuern wir der Route mit der Nr. 9 nach, die uns mit herrlich einsamen Nebensträßchen empfängt. Die Räder rollen durch Felder, mal vorbei an Windmühlen. Dann schmiegt sich der Reiseweg an eine Bucht. Wo sie sich verengt, liegt Nykøbing, das Etappenziel. Uns zieht es vor die Tore der Stadt, ins Mittelalterzentrum. Als Besucher fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Kostümierte Darsteller stellen in den rekonstruierten Gebäuden die Lebensweise um das Jahr 1400 dar. Aus einem der Holzgebäude dringt das Hämmern des Schmieds und im Naturhafen Schaukeln vertäute Boote in der Dünnung. Gegen 13.30 Uhr schreiten alle zur Turnierarena. Die Tribünenränge füllen sich, laute Jubelrufe erklimmen. Die Show beginnt! Ein Redner stellt festlich gekleidete Ritter vor. Visiere fallen herunter, Pferde preschen voran, Lanzen splittern. Immer wieder. Ein Spektakel. Zurück in der Gegenwart steuern wir über das grüne Eiland. Plötzlich blitzt die Ostsee zwischen den Bäumen hindurch. Der Radweg dreht ab. Mit dem Meeresrauschen im Ohr treten die Beine längs des anbrandenden Meeres nach Stubbekøbing. Das Inselhüpfen geht weiter, von Bogø hinüber zur beliebten Ferieninsel Møn.  

Küstenimpressionen
Auf der Weiterfahrt folgen wir der Stege-Bucht und setzen mit der hohen Königin-Alexandrine-Brücke zur dänischen Insel Sjælland über. Anschließend lotst uns die vorbildliche Radwegebeschilderung durch ländliche Regionen nach Præstø. Das Herz der romantischen Küstenstadt schlägt am Hafen, an dem dänische und ausländische Freizeitsegler ankern. Wir lassen das Koldkrigsmuseum Stevnsfort bei Rødvig rechts liegen und halten geradewegs auf das charmante Dorf Højerup zu. Dort, wo die Reetdachhäuser enden, sitzt ein kleines Kirchlein spektakulär auf einem steil abfallenden Kreidefelsen. Unten nagen immerzu die anrollenden Wellen der Ostsee. Die Steilküste rückte im Laufe der Jahrhunderte immer näher an das 1250 erbaute Gotteshaus heran. Es kam, wie es kommen musste. Im März 1982 war es so weit, der Chor stürzte in die Tiefe. Seitdem ist die Kirche ein Besuchermagnet. Die dramatische Lage auf der wildromantischen Halbinsel Stevns ist einfach atemberaubend. Der Blick schweift über das ruhig daliegende Binnenmeer. Ein Ozeanriese zieht vorüber und in der Ferne schält sich die im Jahr 2000 eingeweihte Øresundbrücke  aus dem Dunst. Ein kurzes Wegstück weiter blickt das Schloss Gjorslev auf eine 600-jährige Geschichte zurück. Noch älteren Datums ist die herausgeputzte seeländische Hafenstadt Køge mit dem wohl am besten erhaltenen Ortskern von ganz Dänemark.  

Kulturmetropole am Øresund
Der Fernradweg hat sich ein finales Highlight aufgespart - die dänische Hauptstadt. Wir bummeln auf dem letzten Teilstück entspannt über den einladenden Uferradweg. Aus dem Küstenland werden Parks. Die Parks weichen den Vorstädten Kopenhagens. Wir sind am Ziel. Monika und ich klinken uns in das vorbildliche Fahrradwegenetz der Königsstadt ein. Mehr als ein Drittel aller Kopenhagener fährt täglich mit dem Cykel zur Arbeit oder in die Schule. So legen die umweltbewussten Städter 1,2 Millionen Kilometer täglich mit dem Rad zurück. Am Abend drehen wir eine Runde mit den Fahrrädern und erreichen passend zur Wachablösung den Schlossplatz von Amalienborg. Schräg gegenüber erstrahlt das neue Wahrzeichen der Stadt, die futuristische Oper im Licht der untergehenden Junisonne. Das alte kennt man auf der ganzen Welt – die kleine Meerjungfrau. Es ist immer noch angenehm warm und halb Kopenhagen scheint auf den Beinen zu sein. Hungrig, aber rundum zufrieden, setzen wir uns am Nyhavn in einem der zahlreichen Restaurants an einen Tisch. Um uns die berühmten Häuserfassaden. 635 Kilometer liegen seit Berlin hinter uns – einer schöner als der andere.  

Allgemein

www.bike-berlincopenhagen.com

Tourismusverband Ruppiner Seenland
Fischbänkenstraβe 8
16833 Neuruppin
Tel. 03391/65 96 30
www.ruppinerreiseland.de

Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern
Platz der Freundschaft 1
18059 Rostock
Tel. 0381/403 05 50
www.auf-nach-mv.de

VisitEastdenmark
Banegårdspladsen 1
4700 Nastved 
Tel. +45/(0)54/86 13 48
www.visiteastdenmark.de

An/Abreise

Sowohl der Startort Berlin als auch das Reiseziel Kopenhagen verfügen über eine gute Bahnanbindung.

Literatur

Radfernweg Berlin-Kopenhagen, ISBN 978-3-8500-0454-1, Verlag Esterbauer DuMont Reise-Handbuch Reiseführer Dänemark, ISBN 978-3-7701-7744-8, DUMONT REISEVERLAG

Streckencharakter

Der Radfernweg ist durchgängig beschildert und nutzt überwiegend asphaltierte Wege. Da die Strecke meist den Flüssen, verschiedenen Seen und später dem Küstenverlauf der Ostsee folgt, sind unterwegs nur wenige Höhenmeter zu bewältigen. Das deutsche Teilstück ist mit einem blauroten Schriftzug »Radweg Berlin–Kopenhagen« gekennzeichnet. In Dänemark helfen blaue Radwegeschilder.