Rosemari

Von Müttern, Töchtern und der Suche nach dem eigenen Ich

Eine Rezension von Stefanie Becker

Ein letztes Treffen mit dem heimlichen Geliebten, ein Abschied voller Lust und Begehren. Doch die reichten wohl nicht als Fundament einer Ehe. Geheiratet wird ein anderer. Szenenwechsel: Ein Saal voller Menschen, Gelächter, Gläserklirren. An Festtafel ein Brautpaar, er glückselig, sie ziemlich angespannt, flieht schließlich vor den Gratulanten auf die Restaurant-Toilette – und findet dort ein neugeborenes Baby.  

Ein Findelkind sucht seine Mutter
16 Jahre später treffen sie sich wieder, die Braut von damals, Unn Tove (Tuva Nowotny), und das Findelkind Rosemari (Großartiges Debüt: Ruby Dagnall). Die bei Pflegeeltern aufgewachsene Rosemari hofft, Unn Tove sei vielleicht ihre leibliche Mutter und erfindet einen Vorwand, um mehr über sie und ihr Leben zu erfahren. Unn Tove arbeitet inzwischen als Journalistin bei einem kleinen aber erfolgreichen Lokalsender und hat gerade ihre beiden Töchter in den Urlaub mit ihrem mittlerweile Ex-Mann verabschiedet. Sie lässt Rosemari für ein paar Tage bei sich wohnen.    

Als sie erfährt, wer Rosemari wirklich ist, beschließt sie, ihr zu helfen, liefert ihr die Suche nach Rosemaris Mutter doch nicht nur eine spannende Story, sondern auch die längst ersehnte Abwechslung vom festgefahrenen Alltag, in dem allein ihre lebenskluge und witzige Chefin und Kollegin Hilde (Laila Goody, Lilyhammer) für Lichtblicke und Erheiterung sorgt. Rosemaris Wunsch, ihre Herkunft zu erfahren ist so groß, dass sie sich darauf einlässt, die Suche öffentlich zu machen und Unn Toves nächstes Medienprojekt zu werden.  

Die Suche hält nicht nur fröhliche Überraschungen bereit
Unn Toves Handkamera im Gepäck startet das Nicht-Mutter-Tochter-Gespann auf einen aufwühlenden Roadtrip durch Skandinavien, bei dem nicht nur Rosemari dem Geheimnis ihrer Herkunft näher kommt, sondern auch Tove sich den Schatten ihrer Vergangenheit stellt und ihren eingeschlagenen Lebensweg überdenkt. Bis die Suche am Ende für sie beide verblüffende Erkenntnissen bereithält.  

Den emotionsgeladenen Ereignissen zum Trotz, wahrt Regisseurin und Drehbuchautorin Sara Johnsen von Beginn an eine behutsame und eher distanzierte Haltung zum Geschehen.  Der Tradition des skandinavischen Arthaus-Kinos verbunden, erzählt sie unaufgeregt und frei von falschen Sentimentalitäten die Geschichte von Frauen und ihrer miteinander verwobenen Schicksale, fraglichen Lebensentscheidungen, dem Wunsch zu wissen, wer man ist und dem Wunsch zu vergessen, wer man war. Der Zuschauer wird dabei zeitgleich wie die Protagonisten, oftmals durch Unn Toves Kamera blickend, mit Erkenntnissen konfrontiert, die in Interviews und bei Gesprächen mit Leuten zu Tage kommen, die Rosemaris Mutter kannten. Rückblenden werden allenfalls in Form von "realem" Filmmaterial gezeigt.

Die Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie 
„Rosemari“ feierte 2016 in Norwegen zurecht große Erfolge. Das ist nicht allein, aber auch den großartig besetzen Hauptrollen zu verdanken. Zufallsentdeckung Ruby Dagnall brilliert in der Rolle der, zwischen Entschlossenheit und Angst, zwischen Teenager-Rebellion und der Sehnsucht nach (Mutter)liebe zerrissene Rosemarie, die liebevollen Pflegeeltern zum Trotz, verzweifelt nach ihrer wahren Herkunft forscht und dabei nicht vor öffentlicher Bloßstellung zurückschreckt.  

An ihrer Seite überzeugt auch Tuva Novotny (Jalla, Jalla, Slim Susi) als Unn Tove, die zwischen den wechselnden Rollenzuschreibungen als Ehefrau, Geliebte, Mutter oder Karrierefrau ebenfalls nach ihrer eigentlichen Identität sucht und Dank Rosemari anfängt, Entscheidungen zu revidieren. In weiteren Rollen dabei: Hilde alias Laila Goody (Lilyhammer), Pflegemutter Hanne, alias Helga Guren (Blind) sowie Klaus Dreyer alias Tommy Kenter.  

Erstmals im deutschen Kino zu sehen war Rosemari 2016 auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck. Auch auf den Skandinavischen Filmtagen in Bonn wird er in nochmals in norwegischer Originalfassung mit Untertiteln zu sehen sein (24.5., Kino in der Brotfabrik).  

Offizieller Kinostart in Deutschland: 25. Mai 2017

 

Nordis-Verlosung

Kinofreikarten zu gewinnen

Nordis verlost zum Kinostart zwei Fanpakete mit je 2 Kino-Freikarten für den Film "Rosemari" sowie Julia Fehlingers Fettnäpfchen-Führer "Norwegen - Im Slalom durch den Sittenparcours des hohen Norden",  ein unterhaltsamer und lesenswerter Reiseknigge für das Land der Fjorde. (Erschienen beim conbook-Verlag)

Und so seid ihr dabei: Schickt uns einfach bis zum 21. Mai 2017 eine kurze E-Mail mit dem Betreff "Rosemari-Fanpaket" an verlosung@nordis.com. Wichtig: Anschrift für die Gewinn-Zusendung nicht vergessen!

Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.

Der TRAILER zum Film