Outdoor-College-Initiator Günther Hoffmann im Interview mit Thomas Krämer

 

Was kann man sich unter dem Outdoor-College vorstellen?

Das OUTDOOR COLLEGE ist eine deutsche Schule mitten in der norwegischen Wildnis. Ein Schulhalbjahr lang leben und lernen Schüler aus ganz Deutschland hier gemeinsam mit Schlittenhunden der benachbarten Huskyfarm. Der Auslandsaufenthalt vermittelt den richtigen Umgang mit Freiheit, Selbstständigkeit und Verantwortung. Es ist das weltweit erste Naturschulprojekt dieser Art. Hier leben 32 deutsche Schüler sieben Monate lang gemeinsam mit Lehrern, Outdoor-Trainern und zirka 40 Huskys in der südnorwegischen Gemeinde Sirdal. Neben dem Schulalltag, dem kulturellen Austausch und der Fremdsprache Norwegisch erleben sie das Abenteuer Wildnis: Kajak-Touren, Schneewanderungen und Husky-Schlittenfahrten mit Übernachtungen in Berghütten oder Zelten stehen auf dem Stundenplan.  

Wie sieht der Unterricht aus?

Der Unterricht findet nach offiziellem Lehrplan und in kleinen Lerngruppen statt. Bei sechs einwöchigen Expeditionen in die Natur erweitern die Schüler zusätzlich ihre sozialen und natursportlichen Kompetenzen, was uns besonders wichtig ist. Unsere Schüler wissen nach dem siebenmonatigen Aufenthalt, wie man mit Pflichten und Freiheiten richtig umgeht. Sie lernen, wie man Verantwortung für sich und ein Team übernimmt. In der Wildnis und in der Arbeit mit den Hunden wenden wir die Unterrichtsinhalte theoretisch und praktisch an. Dabei fördern wir die Selbstständigkeit jedes Einzelnen.  

Für wen ist das College geeignet?

Schüler aus Gymnasien oder Gemeinschaftsschulen, die zum Schuljahr 2015 in die 9. Klasse eintreten, können das erste Halbjahr im OUTDOOR COLLEGE erleben.  

Sind besondere Kondition oder Fähigkeiten notwendig?

Nein, alle Schüler starten bei null und wachsen gemeinsam in das neue Abenteuer hinein.  

Welche Erfahrungen habt ihr bisher gemacht?

Der erste Durchgang des Outdoor-Colleges war ein voller Erfolg. Die Schüler zählen die Tage, wann sie wieder zurück müssen. Es ist ein tolles Miteinander und gemeinsam leben die Schüler und Lehrer ihren Alltag.  

Wie sieht ein typischer Tag im Outdoor-College aus?

Morgens um sieben wird gemeinsam gefrühstückt. Die Schüler teilen sich in der Woche in zwei Gruppen auf. Die eine Hälfte hat Unterricht und von der anderen Hälfte ist ein Teil für die Verpflegung und die Sauberkeit, ist also für die Hauswirtschaft zuständig. Der andere Teil kümmert sich um die Hunde und das Außengelände. Am nächsten Tag wird gewechselt. Nach dem Abendessen gibt es verschiedene Workshops und AGs für die Schüler. Um 22 Uhr ist Bettruhe, das heißt jeder, der schlafen will, muss schlafen können und um 23 Uhr ist Nachtruhe. Einmal die Woche ist Kinoabend und am Wochenende gibt es verschiedene kleinere Touren.  

Wie muss man sich die Umgebung vorstellen?

Sirdal ist eine kleine Kommune in Südnorwegen. Das Tal zieht sich von knapp 50 m Meereshöhe bis auf über 1000 Höhe. Lunde, der kleine Ort, in dem die Schule liegt, besteht aus knapp zehn Häusern. Die Schule ist das Nördlichste davon. Das grüne Tal in der Mitte von Sirdal ist umrahmt von hohen Bergen. Die alte Grundschule stand knapp zehn Jahre leer, bevor wir sie übernommen haben. Wir haben zwei Übernachtungshäuser mit je 22 Betten dazu gebaut. Die Schule steht übrigens außerhalb des Colleges von März bis Juli auch anderen Gruppen zur Verfügung und ist das ideale Basislager für spannende Touren in die Wildnis des Sirdal.  

Welche längeren Touren gibt es?

Die Schüler gehen jeden Monat eine Woche auf Expedition. Sie sind mit Kajaks, Kanadiern, Rucksack, Schneeschuhen und Skiern unterwegs. Sobald Schnee liegt, trainieren Sie die Hunde natürlich auch mit dem Hundeschlitten. Je länger die Schüler in Norwegen sind, desto mehr können Sie die Expeditionen eigenständig planen und organisieren. 

Müssen die Jugendlichen Angst haben, den Anschluss in der Schule zu verpassen?

Nein, die Schüler bekommen ein Zeugnis vom Outdoor-College. Mit dem gehen Sie wieder in ihre alte Schule zurück. Wir unterrichten ja nach dem Lehrplan für das erste Halbjahr der 9. Klasse.  

Welche Veränderungen habt ihr im Laufe der Zeit bei den Schülern bemerkt? Stimmt das Vorurteil, dass Jugendliche nur noch am Computer spielen?

Für unsere Schüler definitiv nicht. Im Outdoor-College wird der Rechner zum Arbeiten benutzt. Ansonsten haben die Schüler jede Woche 15 Minuten Internet-Zeit. Das liegt in erster Linie an der Verbindung und der Tatsache, dass jeder Schüler die Chance haben soll, E-Mails zu schreiben oder mit den Eltern zu skypen. Wir werden das in nächsten Durchgang etwas ausbauen, aber es gilt weiterhin, dass der Computer ein Arbeitsmittel und kein Vergnügungsmittel ist. Die Schüler können ihren eigenen Rechner nutzen, aber es dürfen keine Spiele darauf installiert sein.  

Welche Erfahrungen habt ihr für euch selbst im Umgang mit den Jugendlichen gemacht?

Die Schüler, die sich bei uns bewerben, sind motiviert und wollen etwas erleben. Wer sich auf ein solches Projekt einlässt, ist bereit, vieles in Kauf zu nehmen. Wir haben in unserem ersten Schuljahr überhaupt keine Probleme mit den Jugendlichen gehabt. Sicherlich gab es hier und da mal eine Reiberei oder Heimweh, aber das war alles im mehr als überschaubaren Rahmen.

Mehr über das Outdoor College...

...erfährt man auf der Homepage www.outdoor-college.de. Hier finden sich auch eine ganze Menge spannender Reportagen und Expeditionsberichte der Schüler und Schülerinnen, die in der ersten Saison mit dabei waren. Neugierig geworden? Hier kannst du dich für das kommende Outdoor College bewerben.

Ausgezeichnet

Für sein innovatives Konzept, Unterricht und Wildniserleben miteinander zu kombinieren, erhielt das Outdoor College bei der diesjährigen Verleihung des Nordis-Travel-Awards einen Sonderpreis.