5 Fragen an...

...die Autorinnen des Ratgebers "Auf nach Norwegen – Jobs, Praktika & Studium":

Die beiden Autorinnen des Buches "Auf nach Norwegen" Katja Wilke und Judith Wintermann haben zahlreiche persönliche Erfahrungen bei der Arbeit im Ausland gesammelt. Judith war als Au-Pair in Norwegen und hat zwei Sommer lang in der Tourismusbranche in Geiranger gearbeitet. Katja ist dort ebenfalls seit mehreren Jahren in den Sommermonaten tätig. Beide haben uns fünf Fragen zu Land, Job und Leuten beantwortet:

Viele Menschen träumen davon, zeitweise oder auch dauerhaft ins Ausland zu gehen und dort zu leben und zu arbeiten. Was sind eurer Meinung nach die größten Hürden, die man überwinden muss, um diesen Traum wahr zu machen?

Katja: Ich denke die größte Hürde ist, den Schritt tatsächlich zu wagen. Bei vielen bleibt es bei einer Idee oder einem Vorhaben, dass immer wieder auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Hat man diese Hürde einmal überwunden, kann man, was die Planung angeht, einfach einen Schritt nach dem anderen machen. Es gibt zahlreiche Stellen, die Hilfe und Unterstützung anbieten für Menschen, die einen Auslandsaufenthalt planen oder auswandern möchten.

Judith:  Ich denke, dass die größte Hürde die eigenen Ängste und Gewohnheiten sind. Denn ins Ausland zu gehen ist ein großer Schritt: Man verlässt das vertraute Umfeld, vielleicht die Arbeitsstelle, verabschiedet Freunde und Familie für längere Zeit... und was kommt dann? Man weiß es nicht. Denn man kann sich noch so viel im Vorfeld informieren, aber am Ende wird bestimmt alles ganz anders, als man es sich vorgestellt hat.

Welche Jobs werden in Norwegen gesucht? Bzw. welche Qualifikationen sollte ich mitbringen, wenn ich dort einen Job finden möchte?

Katja: Im Tourismus werden zu den Saisonzeiten immer Leute gesucht. In der Regel sind das die Sommermonate. In den Skigebieten bzw. in Nord Norwegen ist es im Winter einfacher einen Job zu finden. Ein weiterer Bereich in denen Arbeitskräfte gesucht werden, ist z.B. die Gesundheitsbranche. Für qualifizierte Jobs sollte man schon Norwegisch Kenntnisse mitbringen.Für Aushilfs- bzw. Saisonjobs reicht es oft wenn man Englisch bzw. bestenfalls weitere Fremdsprachen spricht. Wenn man mit dem Gedanken spielt, längerfristig in Norwegen zu bleiben, eignet sich ein solcher Einstiegsjob gut, um das Land kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Auch kann sich aus einem Saisonjob eine langfristige Anstellung entwickeln.

Judith: Farmarbeit, Tourismus und Gesundheitswesen sind Branchen, in denen besonders viele Leute gesucht werden. Je nach Qualifikation ergeben sich unterschiedliche Jobperspektiven: Ärzte, Krankenpfleger, Hotelfachkräfte oder Köche haben gute Chancen, aber auch als ungelernter Saisonarbeiter findet man Arbeit, zum Beispiel als Erntehelfer, Souvenierverkäufer oder Reinigungskraft im Hotel. Wer Norwegisch kann, ist klar im Vorteil, aber für manche Jobs reichen auch gute Englischkenntnisse.

Wie viel Zeit sollte ich für die Planung und Vorbereitung eines Auslandaufenthaltes einplanen?

Katja: Möchte man im Ausland z.B. studieren, sollte man schon 1 bis 1 ½ Jahre vorher mit der Planung beginnen. Wer spontan eine Zeit lang z.B. auf einer Farm gegen Kost und Logis arbeiten möchte, kann auch spontan über die Plattformen WOOF oder workaway eine Stelle finden. Vergangen Winter wollte ich ein paar Wochen in Nord Norwegen verbringen und habe innerhalb von zwei Wochen eine Stelle in einem Hostel bekommen. Bei Saisonjobs sollte man rund ½ Jahr vor Saisonstart mit der Suche beginnen. Viele Jobs werden jedoch gar nicht ausgeschrieben, so dass man auch kurzfristig etwas finden kann, wenn man sich vor Ort umschaut.

Judith: Das kommt ganz auf die Art des Aufenthaltes an. Wer als Freiwilliger auf einem Bauernhof arbeiten will, kann sich den Aufenthalt in wenigen Wochen organisieren. Zukünftige Au-pairs kümmern sich am besten vier bis fünf Monate im Voraus um eine Gastfamilie. Für einen Studienaufenthalt plant man ein bis eineinhalb Jahre für die Vorbereitung ein.

Stichwort »Fettnäpfchen«: Welche Missgeschicke oder Missverständnisse, können einem mit norwegischen Kollegen oder Kunden passieren?

Katja:  Norweger sind häufig nicht so direkt wie wir Deutschen und gehen Konflikten eher aus dem Weg. Das kann für beide Seiten etwas gewöhnungsbedürftig sein. Andererseits lässt man es beim Arbeiten oft entspannter angehen als bei uns, was wiederum sehr angenehm ist. 

Judith: Wer nach einem gemeinsamen Essen vom Tisch aufsteht, ohne sich beim Koch für das Essen zu bedanken, gilt als sehr unhöflich. Daran müssen wir Deutschen uns erst gewöhnen, weil das bei uns nicht üblich ist. Norweger bedanken sich generell sehr viel: Danke für Heute, danke für Letztens... Was man auf keinen Fall sagen sollte, ist aber "Takk for alt" - Danke für alles. Das sagt man nämlich nur auf Beerdigungen zu der Person, die verstorben ist.

Ganz persönlich: Was war die bislang beste Joberfahrung, die ihr in Norwegen gemacht habt?

Katja: Was ich in Norwegen beim Arbeiten immer genossen habe, ist die Nähe zur Natur. Während ich in den ersten Jahren irgendwann das Leben in der Stadt vermisst habe, war es später genau andersrum. Besonders beeindruckend war mein workaway –Aufenthalt im Winter in Nord Norwegen in einem Ort mit nur 20 Einwohnern mitten im tief verschneiten Winterwald. Ich war dort im Dezember, also zur dunkelsten Zeit des Jahres mit maximal drei Stunden Tageslicht. Tagsüber habe ich im Hostel ausgeholfen und in klaren Nächten meine Zeit damit verbracht bei bis zu -35 Grad nach Nordlichtern zu schauen.

Judith: Meine Arbeit als Touristenguide in Geiranger hat mir besonders viel Spaß gemacht. Da waren wir ein tolles internationales Team aus Saisonarbeitern und haben unser Geld dadurch verdient, dass wir den Touristen die wunderschöne Landschaft gezeigt haben.

Interview: Stefanie Becker. Ein herzliches "Takk" an die Autorinnen für die Beantwortung der Fragen.

Judith Wintermann, Katja Wilke: Auf nach Norwegen - Jobs, Studium & Praktikum. Interconnections, 150 S., 17,90 Euro. (ISBN 978-3-86040-267-2)

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Träumst du davon nach Norwegen auszuwandern? Planst du ein studentisches Austauschjahr? Oder habst du bereits ein konkretes Jobangebot in Aussicht? Dann ist das Handbuch "Auf nach Norwegen" genau das Richtige für dich. Ob Farmarbeit, Saisonjob im Tourismus, Studium, Praktikum, Freiwilligendienst oder Au-pair – der Ratgeber von Judith Wintermann und Katja Wilke liefert wertvolle Tipps und Hintergrundinformationen zu Land und Leuten.

Beide Autorinnen verfügen über persönliche Erfahrungen zum Thema »Arbeiten in Norwegen« und punkten mit jeder Menge Insider-Wissen zur Planung und Durchführung eines Auslandaufenthaltes. Von der Anreise über erste Behördengänge bis hin zum Erlernen der Sprache werden alle organisatorischen Aspekte angesprochen.

Darüber hinaus findet man Infos zu potentiellen Arbeitsmöglichkeiten, Praktika und Saisonjobs, Wissenswertes zum Steuer- und Versicherungssystem sowie Tipps zur erfolgreichen Bewerbung. Eingestreute Zitate und Erfahrungsberichte von Arbeitnehmern, Praktikanten und Studierenden, die es zeitweise oder dauerhaft nach Norwegen verschlagen hat, runden den Ratgeber ab und verleihen ihm eine persönliche und authentische Note.

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