Denominación Mývatn

Isländischer Wein erobert den Markt

TEXT & BILD: Hans Klüche

Die globale Klimaerwärmung macht Island zu einem Wein produzierenden Land. Eine spanische Winzerdynastie mit Familienzweig auf der Atlantikinsel hat schon 2008 auf dem Höhepunkt der isländischen Finanzkrise in der Mývatn Region eine ideales Areal von fast 200 ha Lavagelände am Südhang der Rauða Gígur günstig aus der Konkursmasse der damals in Schieflage geratenen Eldurbánki erworben.

Áslaug Ernestodottir, Tochter der spanische Winzerikone Ernesto la Gorche und CEO der isländisch-spanischen ›Finka Námaskarð‹ in der Denominación Mývatn, ließ bei einem Pressetermin in der Osterwoche die ersten auf Island angebauten und gekelterten Weine aus der Malvasia Traube servieren, mit der die Familie schon auf ihren Gütern in Spanien hervorragende Ergebnisse auf extrem kargen, vulkanischen Böden erzielt hat. Entstanden ist ein trockener, auffällig fruchtiger Wein mit Nuancen von Blau- und Krähenbeere.

"Wir sind stolz, aber auch überrascht, wie schnell wir aus unserem Wein ein marktreifes Produkt keltern konnten. Natürlich ist es hier fast am Polarkreis leichter mit Weißweinen zu arbeiten, aber wir hoffen bei der fortschreitenden Klimaerwärmung in spätestens fünf Jahren gute Rotweine produzieren zu können, zumal wir an den Hängen der Rauða Gígur unsere Reben gepflanzt haben, der Roten Krater. Da ist der Name Verpflichtung, auch Rotweine anzubieten," zeigte sich Áslaug optimistisch.

Das Erfolgsrezept

Das besondere Geheimnis, so weit im Norden gute Weine anbauen zu können, liegt in der geothermischen Energie der Region. Durch den fruchtbaren Vulkanboden ziehen sich 120 km dünner Schläuche, durch die ein per Wärmeaustauschverfahren geothermisch erhitztes, sehr mineralreiches  Quellwasser die Wurzeln der Weinstöcke umspült und bei Bedarf zweimal am Tag bewässert. So bleiben die Reben ganzjährig frostfrei und  auch der bekannt geringe Niederschlag der Mývatn Region wird kompensiert. Und durch die langen nordischen Sommernächte erhalten die Trauben auch genug Sonne zum Reifen. "Wir haben auch kleinste Mengen eines herrlichen Eisweins als Dessertwein produziert, aber die drei Dutzend Flaschen hat sich gleich ein Gourmetrestaurant in Reykjavík gesichert," freut sich Áslaug Ernestodottir über die ersten Erfolge ihres Weingutes.

Französischer Widerstand

Protest kam vom französischen Landwirtschaftsmister Stéphane Le Foll, der in Island einen neu aufkommenden Konkurrenten der  französischen Weinbauern sieht. Das französische Landwirtschaftministerium ist vor allem besorgt, dass "mit vulkanischen Gasen angereicherte Weine für eine illegale Wettbewerbsverzerrung auf dem amerikanischen Champagnermarkt sorgen", auf dem es keine Beschränkungen der Zusatzstoffe wie in Europa gibt. Sollte Island Vulkanchampagner in die USA liefern, will Frankreich einen EU-weiten Boykott der isländischen Fischindustrie organisieren, kündigte Stéphane Le Foll an.